Vergangene Veranstaltungen

06.02.2018
Gravitationswellen - Hör mal, das Universum!
17.01.2018
Radioastronomie - Das Universum ruft CQ
10.11.2017
Geboren aus Sternenstaub
09.08.2017
Die Musik der Sphären
08.07.2017
Die visuelle Jupiterbeobachtung
10.06.2017
Radioastronomie auf der IdeenExpo
26.05.2017
Sommerliche Beobachtungen
19.04.2017
Einweihung des Dobson-Teleskops
25.03.2017
Astronomie-Tag
12.12.2016
"Sterne beobachten - aber wie?" - Einsteiger-Workshop im "Wiesengrund"
24.09.2016
Ran an die Sterne! - Der erste Beobachtungsabend
27.05.2016
Vortrag im Wiesengrund

Geboren aus Sternenstaub 10.11.2017

"Wir alle sind aus Sternenstaub" - zumindest diese Zeile aus dem Pop-Song von Ich+Ich stimmt, denn Sterne sind nicht nur schön anzusehen, sondern auch die Fusionsreaktoren, die die schwereren Elemente erzeugt haben, aus denen unsere Umgebung und nicht zuletzt wir selbst zusammengesetzt sind. Die Vortragende Petra Petersen wird ihre Zuhörer auf eine Reise durch den Lebensweg des Universum mitnehmen, vom Urknall bis zu den aktuellen Hypothesen über zukünftige Entwicklungen. Auch die Entstehung von Sternen und die verschiedenen Prozesse, die in ihnen ablaufen und letztlich die Entwicklung von Leben ermöglicht haben, werden dabei thematisiert werden.
Der Verein lädt alle Interessierten herzlich ein, der Eintritt ist frei (Plakat).

  • Wann: Fr., 10.11.2017
  • Beginn: 19:30 Uhr
  • Wo: "Wiesengrund" in Weesen (Weesener Straße 17, 29320 Gemeinde Südheide (OT Weesen))
Im Anschluss an den etwa 1 1/2-stündigen Vortrag besteht auch die Möglichkeit einer Besichtigung der Sternwarte (klare Sicht vorausgesetzt).

"Ich dachte, ich guck' nicht richtig!" So reagierte Petra Petersen nach eigener Aussage, als sie das erste Mal von der, ihr bis dahin unbekannten, Sternwarte Südheide in der Zeitung las. Die pensionierte Studienrätin und Astronomie-Begeisterte freute sich, von Gleichgesinnten zu hören. So war es uns daher eine besondere Freude, sie am 10.11.2017 sogar als Vortragende im "Wiesengrund" begrüßen zu dürfen.

Schon seit ihrer Schulzeit interessierte sich Petra Petersen für Astronomie

Mit viel Humor und zahlreichen Beispielen nahm sie ihre 30 Zuschauer auf eine Reise vom Anfang des Universums bis zur Entstehung des Lebens auf der Erde mit und erläuterte dabei, was sich hinter dem Vortragstitel "Geboren aus Sternenstaub" verbirgt. Dabei begann sie im wahrsten Sinne "beim Urschlamm" - genauer: beim Urknall, der Anfangssingularität der Raumzeit, die sich dann schlagartig ausdehnte. Diese Urknall-Theorie, die von Georges Lemaître Anfang des 20. Jahrhunderts aufgestellt worden war, ist inzwischen zwar akzeptiert, der häufig verwendete Begriff "Big Bang", geprägt von Fred Hoyle, war aber zunächst eher abwertend gemeint: Hoyle war ein Anhänger der "steady-state-Theorie", die davon ausging, dass die Dichte der Materie im Universum immer konstant ist, er wollte nicht glauben, dass das Universum in einem "großen Knall" entstanden sei.
Aufgekommen waren beide Theorie nachdem Edwin Hubble die Spektren zahlreicher Galaxien ausgewertet hatte und daraus ablesen konnte, dass diese sich von uns entfernen. Er schloss daraus, dass das Universum sich ausdehnt. Feststellen konnte er diese "Galaxienflucht" an der Rotverschiebung in den Spektren:

Jeder Stern oder Nebel hat ein charakteristisches Spektrum in dem sich, abhängig von der Zusammensetzung des Objekts, Spektrallinien befinden, deren exakte Wellenlänge zu bestimmten Elementen gehört und genau bekannt ist. Bewegt das Objekt sich von uns weg, erscheinen diese Spektrallinien zum roten Ende des Spektrums hin verschoben zu sein. Kommt es dagegen auf uns zu, so sind die beobachteten Wellenlängen kleiner als sie dem theoretischen Wert nach sein dürften, also ins Blaue verschoben. Dies ist ähnlich wie bei einem Krankenwagen, dessen Sirene höher klingt, wenn er auf einen zu fährt und tiefer, sobald er sich wieder entfernt. Frau Petersen hatte für die kosmologische Rotverschiebung noch einen anderen schönen Vergleich: Rosinen in Kuchenteig. Beim Backen dehnt sich der Teig (die Raumzeit) aus und die Rosinen (die Galaxien) entfernen sich voneinander.

Zusätzlich zu dieser kosmologischen Rotverschiebung haben die Galaxien aber auch noch eine eigene Geschwindigkeit, sodass sich nicht alle Objekte von uns entfernen: Das Licht der etwa 2,5 Millionen Lichtjahre entfernten Andromeda-Galaxie (M31) ist blauverschoben, sie bewegt sich also auf uns zu - und das mit etwa 400.000 km/h! Mit der Milchstraße kollidieren wird sie aber in frühestens 4 Milliarden Jahren. "Wir werden das nicht mehr erleben, die Sonne aber schon.", bemerkte Petersen. Denn unser Zentralgestirn hat noch etwa 5 Milliarden Jahre vor sich, bevor es sich zunächst zu einem roten Riesen aufblähen und seinen Lebenszyklus schließlich nach einem gewaltigen Materieausstoß als Weißer Zwerg beenden wird.
Nachverfolgen kann man diese Entwicklung im Hertzsprung-Russel-Diagramm, in dem die bislang beobachteten Sterne nach ihrer effektiven Temperatur und Leuchtkraft sortiert eingetragen sind. Frau Petersen stellte die verschiedenen Stadien der Sternentwicklung vor, von Roten Riesen zu Weißen Zwergen und Exoten wie den Quasaren ("quasi-stellare Radioquellen") und den erst seit kurzem bekannten Magnetaren. Letztere sind, genau wie Pulsare, eine besondere Klasse von Neutronensternen, die ein besonders starkes Magnetfeld aufweisen. Dieses führt zu regelmäßigen Gammablitzen, "wie bei einem riesigen Leuchtturm."

Bei aller Anschaulichkeit fehlte es dem Vortrag aber keineswegs an inhaltlicher Tiefe: In fünf Kapiteln gab sie nicht nur eine Einführung in diese Grundlagen der Kosmologie und Astronomie, sondern berichtete auch von der Arbeitsweise der Astronomen generell, sowie von aktuellen Fragen und Projekten, z.B. von Unregelmäßigkeiten in der kosmischen Hintergrundstrahlung, der Suche nach der "Weltformel" oder dem "James Webb space telescope", das 2019 ins All starten und vor allem im Infrarotbereich messen wird.

Zum Schluss kam sie dann noch zu den Brennprozessen in Sternen. Denn während Wasserstoff, Helium und Lithium bereits kurz nach dem Urknall entstanden, verdanken wir die Existenz von schwereren Elementen wie Sauerstoff, Kohlenstoff und Stickstoff, aus denen auch wir bestehen, nur den Kernfusionen im Inneren von Sternen. Abhängig von der Gesamtmasse und dem Alter des jeweiligen Sterns treten dabei verschiedene Brennprozesse im Kern und in der Schale auf, die verschiedene Elemente produzieren. Das schwerste Element das durch Kernfusion in Sternen entsteht ist Eisen.
Und so zeigte sich - wir alle bestehen aus Sternenstaub!

Wir bedankten uns bei Frau Petersen für den umnfangreichen und interessanten Vortrag mit dem üblichen Glas Heidehonig und viel verdientem Lob für ihre Vortragsweise aus dem Publikum. Für den Nachhauseweg hatte einer der Zuschauer dann noch eine kleine Rätselaufgabe: Die Kernfusionen in Sternen produzieren, wie im Vortrag erläutert wurde, keine schwereren Elemente als Eisen und Nickel. Wie aber sind dann die schwereren Elemente entstanden, die nicht menschengemacht sind?
Die Lösung: Die Elemente, die nicht durch die Fusion leichterer Atomkerne zustande kommen, entstehen, wenn bereits bestehende Atomkerne Neutronen "einfangen". Während eines radioaktiven Beta-Zerfalls werden diese dann zu Protonen, die im Kern bleiben - ein schwereres Element ist entstanden (Stichwort: slow neutron capture). Die andere Hälfte der schwereren Elemente entsteht durch den sog. "rapid neutron capture", bei dem ein Kern gleich mehrere Neutronen einfängt bevor es dann zu einem Beta-Zerfall kommt, der neue Protonen entstehen lässt. Die Bedingungen die diesen Prozess erlauben sind aber nur in Supernovae oder bei der Kollision von Neutronen gegeben, die zugehörigen Elemente entsprechend seltener.

Wer sich gemeinsam mit Frau Petersen tiefer in die Astronomie einarbeiten möchte, der hat dazu in ihrem VHS-Kurs "Astronomie" die Gelegenheit, der ab Februar 2018 in der Volkshochschule Celle stattfinden wird.

Literaturtipps:



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